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Alle Besuchern unserer Homepage, wünschen wir, eine gesegnete Adventszeit. 


Auf dem Weg nach Jericho

 

 

Es war schon dunkel geworden, als sich die beiden Männer dem Gasthof „Zum Guten Wirten“ näherten. Allein durch die Fenster drang das fahle Licht der Kerzen, die den Gastraum spärlich erhellten. „Hier werde ich nach einem Schlafplatz für die Nacht fragen“, dachte der Mann mit dem kunstvoll gebundenen Turban auf dem Kopf ohne sich mit seinem Begleiter abzustimmen. Das wäre auch kaum möglich gewesen, denn dessen gesundheitlicher Zustand hätte ohnehin kein vernünftiges Gespräch zugelassen. Nur mit Mühe konnte er sich auf dem Esel halten, den ihm der Fremde zur Verfügung gestellt hatte, ohne vom Rücken zu rutschen, denn seine schweren Verletzungen ließen das kaum zu. Als der Mann mit dem Turban die Gaststube betrat, hatte er seinen Begleiter gestützt, da dieser immer wieder in die Knie zu sacken drohte. „Was wollt ihr denn hier zu so später Stunde?“, fragte der Wirt. „Einen warmen Würzwein kann ich Euch gerne anbieten, aber die Küche hat schon zu!“ „Das nicht schlimm. Bett schlafen, hier?“ Der Wirt musste sich ein Grinsen verkneifen, um nicht zu antworten, dass bei ihm keine Betten schlafen, doch beim Anblick des Verletzten fiel ihm schnell ein, welchen Lagerraum er schnell mit ein paar Strohsäcken zu einem Schlafplatz umrüsten könnte. „Das macht 2 Schilling pro Nacht!“
„Ja, gut! Ich bleiben bis morgen, Freund bleiben bis gesund, ich kommen wieder, dann alles bezahlen.“ Darüber musste der Wirt dann doch etwas länger nachdenken, denn was wäre, wenn der Fremde nicht wieder käme? Dann würde sich der Verletzte bei ihm satt essen, und die Verbände müssten bestimmt auch immer mal wieder gewechselt werden. -  Aber andererseits: Den Lagerraum würde er in den nächsten Tagen nicht unbedingt benötigen, da keine größeren Lieferungen zu erwarten waren. So willigte der Wirt ein und brachte die beiden Männer zu ihrem Nachtlager.
Als der Verletzte am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich nicht mehr ganz so erschöpft, doch jede Bewegung bereitete an einer anderen Stelle Schmerzen. Und langsam kam auch die Erinnerung zurück, was passiert war. Als er sah, dass der Schlafplatz neben ihm leer war, dachte er, sein Helfer sei bestimmt schon länger wach und säße schon im Gastraum beim Frühstück. Dorthin schleppte er sich nun auch, um seinem Helfer zu danken, doch als er in der Schankstube ankam, traf er dort nur den Wirt, der ihm berichtete, dass der Fremde schon weitergereist sei. Für den Verletzten hatte der Wirt jedoch ein kräftiges Frühstück mit Rührei, Oliven, Tomaten und Fladenbrot sowie einen Kräutertee vorbereitet. Beim Frühstück kamen die beiden dann ins Gespräch und der Verletzte erzählte von seinem langen Weg.
Schon früh morgens war er aufgebrochen, um am kühlen Vormittag noch so weit wie möglich voran zu kommen, bevor die Sonne hoch am Himmel stand und die Mittagshitze jeden Schritt zur Qual macht. Während er so unterwegs war und seinen Gedanken nachhing, bemerkte er nicht die drei Personen, die sich hinter einem Felsvorsprung versteckt hatten und ihm auflauerten. Als er selbst dort im Schatten eine kleine Rast einlegen wollte, wurde er von diesen brutal überfallen. Ihn traf das völlig unvorbereitet, denn er war nicht einmal reich, und die 3 Schilling, die er bei sich trug, hätte er den Dreien auch freiwillig überlassen, wenn sie ihn aufgehalten und zur Herausgabe des Geldes aufgefordert hätten. Sein Bruder hatte ihn noch gewarnt, sich nicht alleine auf den weiten Weg zu machen, aber er kannte niemanden, der auch nach Jericho wollte. Noch viel mehr hat er sich jedoch über die Leute aufgeregt, die nach dem Überfall so achtlos an ihm vorbei gegangen sind. Da kam einer, der wohl Angst hatte, sich sein schickes, weißes Gewand an den blutenden Wunden dreckig zu machen und ein anderer, der vorgab, es so eilig zu haben, dass er den Verletzten keines Blickes würdigte. Und dann kam der Mann mit dem Turban und dem bestickten Mantel auf seinem Esel, hielt an und kümmerte sich um den Verletzten. Er hat gleich gemerkt, dass der Fremde die Sprache kaum beherrschte, doch mit Gestik und Mimik war dann doch klar, wo es weh tat oder was gut tat.
Und als dieser Fremde den Verletzten dann auf dem Esel bis zum Gasthof transportierte, spürte der Verletzte Linderung und auch dem Wirt wurde bei dieser Erzählung klar, was Barmherzigkeit ist.