Die Martin Luther Genezareth Gemeinde


Was uns in den letzten Wochen beschäftigt hat …

 

Unsere Orgel, Falken, Tauben und neue Gesichter

Ein dreifaches Geschenk war jenen Ältesten beschieden, die am 3. Advent ihr Gelöbnis sprachen und in ihr Amt eingeführt wurden: Wohltönend und erstaunlich frisch war der Klang unserer Orgel, die nach der Generalsanierung an diesem Tag zum ersten Mal erklang. Und obwohl noch gar nicht alle Register fertig gestellt waren, entlockte ihr unsere Kantorin Arisa Ishibashi furios gespielte Töne – so schön, dass es nach dem Gottesdienst Applaus für ihr Spiel gab. Schließlich gab es auch noch einen Blumenstrauß für

jede/n. 

 

Inzwischen ist die Orgel nun fertig und von den Expert*innen abgenommen worden. Es lohnt sich, nach dem Gottesdienst einen Blick auf den offenen Spieltisch zu werfen. Zwar hat er äußerlich

die denkmalswürdige Patina des 60-jährigen Gebrauchs. Das Innenleben aber ist neu und ermöglicht per Computertechnik die Vorregistrierung von Tausenden Musikstücken. So kann die Organistin die Register blitzschnell per Knopfdruck zu- und abschalten. Und hängende Tasten, Heuler und undichte Leitungen sind dank der Instandsetzung Vergangenheit. Da unsere neue Gemeinde jetzt wieder eine Kantorin hat, werden wir die Orgel in Zukunft nicht nur im Gottesdienst, sondern auch während gelegentlicher Konzerte genießen können. 

 

Ein herzliches Dankeschön gebührt allen Spenderinnen und Spendern, die sich an den Kosten von mehr als 105.000€ bereits beteiligt haben oder das im neuen Jahr noch tun wollen.

 

Vermutlich war der Turm der Martin-Luther-Kirche schon von Tauben umschwärmt, als er 1909 fertiggestellt wurde. Doch der aggressive Kot dieser Tiere ist seither eine Gefahr für das Mauerwerk und die Kleidung der Besucher. Deshalb musste die Luther-Figur über dem Haupteingang nach den Bauarbeiten wieder mit Netzen abgespannt werden. Der erste Versuch ging schief, die Tauben freuten sich über einen neuen Kletterturm. Das zweite Netz schützt Luther wirksam, doch dafür entdeckten die Tiere andere Nischen und Winkel. Fassadenkletterer seilten sich ab und spannten weitere Netze. Doch ohne Erfolg, denn nun entdeckten die Tauben diesen sonnigen Platz für sich …

 

… und das waren die Folgen:

 

Besucher und Besucherinnen waren damit weiterhin gefährdet. Deshalb rückten die Kletterer vor Weihnachten ein viertes Mal an und klebten auf alle Lisene und Kapitelle sogenannte „Taubenspikes“.

Die sollen den Aufenthalt unangenehm machen. Hoffen wir, dass das Problem nun gelöst ist. Wenn nicht, können wir nur darauf hoffen, dass die Turmfalken wieder in die neu gebaute Wohnung in luftiger Höhe einziehen. Aus der alten hatten sie die Bauarbeiten vor zwei Jahren vertrieben. Falken jagen gern Tauben, weshalb diese den Turm dann meiden. Und unseren Turmfalken bleiben ja noch die Neuköllner

Mäuse als Futter für ihre Jungen...

Foto: Felix von Ploetz

Wohnen über einer Kindertagesstätte verschafft wunderbare Einblicke in kindliche Interessen. Aber der Preis ist hoch bei schönem Wetter: Die stete Lärmkulisse von 45 Kindern kann zuweilen auch

strapaziös werden. 

 

Unsere drei Pfarrwohnungen in der Fuldastraße liegen über einer unserer drei Kitas. Eine Wohnung wartete seit einem Jahr auf eine neue Pfarrerin. Doch wegen der Gemeindefusion wollten wir die freie Stelle nicht gleich besetzen. Und da dies auch jetzt nicht so schnell gelingen dürfte (unsere Kirche geht auf einen Pfarrermangel zu), hat der Gemeindekirchenrat die Wohnung im 2. Stock an

Pfarrerin Jasmin El-Manhy und ihren Ehemann vergeben. Frau El-Manhy ist die Leiterin des neuen Projekts „Startbahn 03 und Segensbüro“. Das hat der Kirchenkreis zum Jahresbeginn in der Genezarethkirche begründet. Einiges dazu hat unser Superintendent in der letzten Ausgabe dieser

Zeitung (Seite 3) geschrieben. Schön ist es, dass wir Frau El-Manhy nun nicht nur am Herrfurthplatz,

sondern auch vor dem Pfarrhaus sehen werden. Neugierige dürfen sie zu ihrem Projekt gern befragen; so sieht die neue Nachbarin aus:

Foto: Katharina Pfuhl

 

Damit unsere neuen Nachbarn auch auf Dauer in der Fuldastraße wohnen können, hat uns der Kirchenkreis etwas versprochen: Sobald wir eine neue Pfarrerin oder einen neuen Pfarrer für uns

begeistern können, wird er uns einen Ersatz für die Dienstwohnung anbieten.


Unsere vertraute Küsterin Christiane Semrau haben wir inzwischen in den Ruhestand entlassen. Allerdings werden Sie sie gelegentlich noch im Gemeindebüro in der Fuldastraße antreffen. Denn sie verrät unserem neuen Gemeindeassistenten Christopher Oberschmidt, worauf es in der Leitung des Büros und einer Gemeinde ankommt.

Vorgestellt:

Christopher Oberschmidt – Gemeindeassistent

 

Schon seit Jahren führen mich meine Wege immer wieder an den beiden Kirchen unserer

Gemeinde vorbei. Nord-Neukölln habe ich zum ersten Mal kennengelernt, als ich 2004 nach

Berlin kam. Lange habe ich hier im Viertel gewohnt und dabei miterlebt, wie sich unser Stadtteil

im Laufe der Zeit in rasantem Tempo gewandelt hat. Und auch wenn ich mittlerweile in Kreuzberg

lebe: die Orte und viele Menschen in unserer Nachbarschaft spielen nach wie vor eine

zentrale Rolle in meinem Leben. Daher bin ich besonders glücklich, nun meinen Beitrag zum

Gemeindeleben in Martin-Luther-Genezareth leisten zu dürfen. 

 

1979 in Hamburg in eine deutsch-amerikanische Familie geboren, hat mich mein Lebensweg über Stockholm, Lübeck, New York, Wien und Hannover geführt, bis ich schließlich in Berlin gelandet bin und hier Wurzeln geschlagen habe. Mittlerweile kann ich mir keinen anderen Wohnort mehr vorstellen. Hier wachsen meine beiden Kinder auf, hier ist meine Wahlheimat. Ich liebe die bunte Lebendigkeit unseres Stadtteils! Das Nebeneinander von Alten und Jungen, Eingesessenen und Zugezogenen sowie die Vielfalt der Sprachen, Kulturen, Traditionen und Glaubensbekenntnisse ist für mich eine riesige Bereicherung – auch wenn es manchmal anstrengend ist und als Zumutung empfunden werden kann, dass Konflikte dabei nicht ausbleiben. Dass es nicht beim Nebeneinander bleibt, sondern dass bei allen Unterschieden ein echtes, partnerschaftliches Miteinander entstehen kann, über vermeintliche Grenzen hinweg: das ist für mich gelebter Glaube. Darin sehe ich unsere Rolle als Kirche hier im Kiez. Daran möchte ich mitarbeiten.

 

In meinen bisherigen beruflichen Stationen war ich unter anderem in der Musikbranche und dort vor allem im Orchester- und Künstlermanagement tätig. Nach wie vor gilt meine große Leidenschaft der Musik. Mit The English Choir Berlin singe ich seit längerer Zeit einmal im Monat im Berliner Dom Choral Evensong, eine anglikanische Abendliturgie von großer Schönheit. Während der Pandemie nicht singen zu können: das ist wirklich schwer. Ich kann es kaum erwarten, bis wir alle – gemeinsam, laut und fröhlich – unsere beiden Kirchen endlich wieder mit dem Klang unserer Stimmen füllen dürfen.

 

Ich finde es spannend, in Zeiten großer Veränderungen in diese Gemeinde zu kommen. Die Fusion ist gerade erst seit wenigen Monaten vollzogen, vieles ist im Fluss, wir finden und sortieren uns gerade neu. Manch alte Gewissheiten sind plötzlich mit einem Fragezeichen versehen, dafür öffnen sich aber neue Türen. Die Gesellschaft um uns herum verändert sich in raschem Takt und damit auch wir: wie begegnen wir den vielen Menschen, die mit der Kirche (noch) nicht viel anfangen können? Wie tragen wir das Evangelium in unsere Nachbarschaft? Was ist uns wichtig, welche geliebten Traditionen nehmen wir mit, was lassen wir hinter uns? Es ist eine faszinierende Zeit und ich glaube, ein aufregender Weg liegt vor uns.

 

Zunächst aber ist es schön, Sie alle im Laufe der Zeit kennenzulernen. Ich bin gespannt auf die vor uns liegenden Begegnungen – im Gemeindebüro während der Öffnungszeiten; wenn wir zusammen Gottesdienst feiern; oder auch bei den vielfältigen Gruppen und Veranstaltungen in der Gemeinde, die hoffentlich demnächst wieder stattfinden können. Ich freue mich auf Sie. Bitte sprechen Sie mich jederzeit an!

Bild: Miriam Höppner


Der Strom kommt aus der Steckdose

 

So auch in unserem Gemeindehaus, aber schon seit langem nachhaltig produziert und ohne Atomstrom. Ab jetzt werden wir jedoch von LichtBlick beliefert: umweltfreundlich wie bisher, aber noch um Einiges billiger als bei unserem bisherigen Versorger. Das können Sie nachmachen: Mehr Informationen finden Sie unter www.lichtblick.de. 


Ohne Ehrenamtliche geht es nicht

 

Unser Gemeindehaus hat täglich viele Besucher. Möglich machen das die ehrenamtlich Mitarbeitenden – zusammen mit den verbliebenen fünf beruflichen Mitarbeitenden der Gemeinde. Manche engagieren

sich schon über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg bei uns. Wie zum Beispiel Hannelore Bock, die gute Fee für alle Feste, die Seniorengruppe und die Altarblumen. Einige Mitarbeitende sind jedoch alt geworden, die Aufgaben gehen über ihre Kräfte, so dass sie ihr „Amt“ aufgeben müssen. Nicht überall

wachsen genügend jüngere Mitarbeitende nach. So wird auch der große Basar am 1. Advent eine immer größere Herausforderung für die verbliebenen Mitarbeitenden. Der Gemeindekirchenrat sieht das Problem: Wer einen Beruf hat, wird heute oft mehr gefordert als früher und hat weniger Zeit für Anderes. Frauen ohne Job, die sich nur um Kinder, Küche und Kirche kümmern, werden immer seltener. Und: Viele Menschen engagieren sich gern für einen begrenzten Zeitraum, möchten sich aber nicht mehr

dauerhaft binden. Wie können wir angesichts dieser Veränderungen weiterhin ein attraktiver Ort für

Menschen sein, die sich freiwillig und ohne Honorar engagieren wollen? Müssen wir am Profil unserer Gemeinde etwas ändern? Darüber will der GKR im neuen Jahr einmal ganz grundsätzlich beraten, wahrscheinlich an gesonderten Wochenend - Terminen, um für diese wichtige Frage mehr Zeit zu haben.