Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG Oktober/ November 2018)


                                                                                                                                                                                         Bild: Christa Noehren, pixelio.de

Mauern und Meer

 

„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“, bekennt der Beter des 18. Psalms

 

 

So betet jemand, dem das Hindernis schon im Rücken liegt und dem sich sein Weg nun frei vor ihm öffnet. Jemand, der sich sicher ist, dass er allein niemals dazu die Kraft gehabt hätte, aber erlebte, wie ihm Gott beistand. Der Beter des 18. Psalms fasst damit eine Erfahrung zusammen, die vielfach in der Bibel bezeugt wird. Wer von biblischen Mauern hört, dessen Gedanken finden sich schnell vor der starken Mauer der Stadt Jericho, die nach mehreren Umrundungen durch das Volk Israel unter Posaunenklang und Kriegsgeschrei fiel (Josua 6). Doch die Bibel erzählt sogar noch von einem gewaltigeren Hindernis und das ist gleich ein ganzes Meer. An dessen Ufer, so wird erzählt, kommt es zu

einer dramatischen Situation. Das Volk Israel ist aus Ägypten geflohen, hinter ihm her jagt die ganze Armee des Pharaos, doch nun geht es nicht weiter, das Wasser versperrt den rettenden Weg. Da, so heißt es, spaltete Gott das Meer, so dass das Volk Israel trockenen Fußes zum anderen Ufer ziehen konnte (2. Mose 14). Was für kraftvolle Bilder: eine mächtige Stadtmauer, die in Trümmern liegt. Ein Meer, dessen Wassermassen sich links und rechts auftürmen und einen trockenen Weg frei geben. Ob diese beiden Geschichten historisch sind? Das verneinen mittlerweile die Archäologen. Aber darum geht es ihnen auch nicht. Denn mit ihren starken Bilder bringen sie die Glaubenserfahrung von

Generationen von Menschen zum Ausdruck: Hindernisse, die unüberwindbar erscheinen, werden durch Gott aus dem Weg geräumt oder mit seiner Hilfe überwunden. So ist die Bibel auch voll von Geschichten, die so ganz anders ausgehen als erwartet, die erzählen, wie Gott Dinge möglich macht, die uns unmöglich scheinen. Es sind Erzählungen, die das Herz stärken und die Zuversicht wecken, und damit auch den Hindernissen in unserem Leben ihre größte Macht nehmen: unsere eigene Verzagtheit, dass sie sowieso nicht überwindbar seien.

 

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Pfarrerin Anja Siebert-Bright