Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG Juni/Juli 2018)


 

Bild: Felix Broennimann / pixabay

Auf Reisen sein

 

Wer eine Reise antritt, sollte sich möglichst gut vorbereiten. Das fängt damit an, sich ein Ziel zu überlegen. Wo will ich eigentlich hin? Ist vielleicht nur der Weg das Ziel?

 

 

Dann spielt auch das Gepäck eine wichtige Rolle bei den Reisevorbereitungen. Wer wie ich häufig mit der Familie verreist, muss immer für mehrere Leute mitüberlegen. Was Kinder alles an Klamotten und sonstigen Dingen für eine Reise brauchen! Für jede Wetterlage muss etwas dabei sein. Und

Spielsachen oder Kinderbücher gegen die Langeweile. Aber auch Erwachsene haben Bedürfnisse: also muss ein gutes Buch in jedem Fall in meinen Koffer. Genug Spannung und Möglichkeiten zum

Entdecken sollte das Urlaubsziel aber selbst enthalten. Und damit Spannungen nicht unter den Reisenden entstehen, ist es sinnvoll, wenn jeweils verschiedene Interessen gleichmäßig berücksichtigt werden. Auf Reisen zu sein, birgt vieles in sich: Zeit haben zum Träumen, die Seele baumeln zu lassen und in unbekannter Umgebung zu sich selbst zu finden. Wer in der Stadt lebt, kann die Schönheit der Natur genießen. In der Fremde lerne ich, mir bisher unvertrautes Terrain zu erschließen und meiner

Neugier nachzugehen. Frei von Zwängen oder davon, dass alles einen bestimmten Zweck haben muss. Der Urlaub im Sommer, die große Reise im Jahr, das ist für mich wie der Sonntag, der mir wie kein anderer Wochentag Freiheit verspricht. Biblische Geschichten von Reisenden sind da weniger romantisch, noch berichten sie von Menschen, die auf Erholung aus sind. Manchmal ist es die blanke Not, die Menschen zum Fortgehen zwingt. Im Hintergrund der berühmten Josefserzählung steht, dass

eine Dürre die Existenz der Familie bedroht und diese in Ägypten auf die Linderung ihrer Not hofft. Auch erzählt die Bibel davon, dass die Wurzeln Abrahams und Sarahs, Josefs Urgroßeltern, im Zweistromland

liegen. Ihre Geschichte ist die von Aufbruch, Mut und Vertrauen. In Gott, mit dem sie bisher kaum zu tun hatten. Alt und kinderlos sind sie. Und nun sagt ihnen Gott: geht fort von hier, in ein Land, das ich euch zeigen werde. Dann brechen die beiden Alten auf, mit allem, was sie haben. Die Tiere und vielleicht auch ein paar Leute, die für sie arbeiten. Und dann kündigt Gott ihnen die Geburt eines Kindes an. Als Sarah davon erfährt, muss sie erst einmal lachen. So komisch kommt ihr das alles vor. Gleichwohl meint es Gott ernst mit ihnen und später mit ihren Nachkommen, an die er sich bindet als ihr Gott und sie sich an ihn als sein Volk Für ein Hochzeitspaar hat Klaus-Peter Hertzsch sehr viel später ein schönes Lied

geschrieben. Passenderweise im Jahr 1989, als sich für viele Menschen Grundlegendes verändert hat. „Vertraut den neuen Wegen“ heißt es. Ein Lied für Verreisende und für hier Gebliebene. Es singt davon, dass wir uns dem Neuen vertrauensvoll öffnen können, ob im Alltag oder auf Reisen: „Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.“ Übrigens finde ich, dass nicht nur für diese Ausgabe der Gemeindezeitung der Titel dieser Rubrik perfekt zum Thema „Reisen“ passt. Daher empfehle ich Ihnen, sich immer ein Exemplar dieser Zeitung auf Ihre nächste Reise mitzunehmen.

 

Ihr Pfarrer Alexander Pabst