Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG April/ Mai 2018)


Albrecht Dürer, Web Gallery of Art: https://commons.wikimedia.org

Auferstehung

 

Kaum eine Aussage des christlichen Glaubens ist für viele Menschen so irritierend und tatsächlich unglaublich wie die Aussage, dass Gott die Toten nicht dem Tod überlässt, sondern den Tod überwindet und den Toten wieder Anteil am Leben gibt. 

 

Dabei ist die Rede von der Auferstehung der Toten die zentrale Hoffnung des christlichen Glaubens. Da es aber so gegen unsere Erfahrungswelt verstößt, dass wer tot ist nicht tot sein soll, ist sie zugleich auch eine der größten Herausforderungen des christlichen Glaubens. Wenn Sie nun den Kopf schütteln und denken, „nee, an sowas glaub‘ ich nicht“, dann sind Sie damit keineswegs allein. Die christliche Hoffnung auf die Auferstehung der Toten hat ihren Ursprung in den Auferstehungserzählungen von Jesus. Nach seinem Tod am Kreuz erschien er drei Tage später seinen Freundinnen und Freunden, so erzählen es die vier Evangelien mit höchst unterschiedlichen Berichten. Für die frühen Christinnen und Christen

waren diese Erzählungen sehr glaubhaft, aber heute in unserer modernen Welt, in der wir an alle Texte kritische Fragen stellen, da fällt es vielen Menschen schwer, in ihnen Wahrheit zu entdecken. Seit es die kritische Bibelforschung gibt, hat es daher immer wieder verschiedene Erklärungsversuche der Auferstehung Jesu gegeben. So sei Jesus gar nicht wirklich am Kreuz gestorben und nur scheintot

gewesen. Oder die Erscheinungen seien betrügerische Erfindungen. Oder aber innerpsychologische visionäre Projektionen. Oder Jesus sei sozusagen nur in die Erzählungen über ihn auferstanden. Aber

im Grunde genommen zeigen all diese vielen unterschiedlichen Erklärungsversuche, dass tatsächlich der Auferstehung Jesu nicht mit Kritik und Vernunft beizukommen ist. Das Einzige, das man rational feststellen kann, ist, dass nach Jesu schmachvollen Tod seine Sache weiterging. Die Römer hatten Jesus als einen Verbrecher hingerichtet, jeder, der zu ihm gehörte, war nun ebenfalls von Folter und Tod bedroht. Und so beschreiben es auch die Evangelien: einige Jünger laufen weg, andere verleugnen Jesus, wieder andere verstecken sich in großer Angst. Eigentlich wäre damit die Geschichte Jesu aus und vorbei. Aber dann muss wohl irgendetwas passiert sein, denn plötzlich werden aus den verängstigten Anhängerinnen und Anhängern Jesu mutige Menschen, die die Türen ihrer Verstecke

aufreißen und trotz weiterer Folter- und Todesgefahr anfangen auf den Marktplätzen in aller Öffentlichkeit von Jesus zu erzählen. Und sie reden davon, dass Jesus auferstanden sei. Weiter als bis

zu dieser Erkenntnis ist der Auferstehung Jesu mit der kritischen Vernunft tatsächlich kaum beizukommen. Dennoch glauben auch heute moderne kritische Menschen der christlichen Rede von der

Auferstehung Jesu und der Auferstehung der Toten, denn sie ist wohl wirklich nicht so sehr eine Sache der Vernunft, sondern scheint vielmehr eine Angelegenheit des Herzens zu sein. Nicht die Vernunft,

sondern das Herz kann hinter den Erzählungen von Jesu eine Wahrheit erspüren, die dem Kopf verborgen bleibt. Und so wie unser Verstand sich bilden kann, so kann auch unser Herz lernen und sich

einüben, dieser Wahrheit nachzuspüren. So kann es die kleinen Momente entdecken, an denen Gottes lebendig machende Kraft schon heute bei uns im Leben zu spüren ist. Kleine Momente der Erfahrung

neuen Lebensmuts, der Befreiung aus drückender Lähmung, eines unverhofften Neuanfangs. Je mehr dieser kleinen Momente unser Herz kennt, umso leichter wird es ihm, dann auch der Rede von dem

einen großen Moment am Ende unseres Lebens zu vertrauen.

 

Ihr fragt, wie ist die Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, wann ist die Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, gibt es eine Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ihr fragt, gibt es keine Auferstehung der Toten?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, wonach ihr nicht fragt:

Die Auferstehung derer, die leben.

Ich weiß nur, wozu Er uns ruft:

Zur Auferstehung heute und jetzt!

(Kurt Marti)

 

 

Ihre Pfarrerin Anja Siebert-Bright