Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG Juni/ Juli 2019)


Dann lasst uns so Pfingsten feiern

 Bild: Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rom,_Vatikan,_Basilika_St._Peter,_Die_Taube_des_Heiligen_Geistes_(Cathedra_Petri,_Bernini).jpg                                                                                                                                     


 

„Es soll nicht durch Heer oder Gewalt,

sondern durch meinen Geist geschehen,

spricht der Herr Zebaoth“ (Sacharja 4,6)

Bibelvers zum Pfingstfest

 

 

 

 

Für die Juden und Jüdinnen, also auch für den Juden Jesus von Nazareth und für seine Jünger*innen ist Pfingsten (gr.: pentekoste, fünfzig) der 50. Tag nach dem Pessachfest: das Wochenfest (Schawuot) (vgl. 3. Mose 23,15f). Für uns Christen ist es der 50. Tag nach Ostern: das Fest des Heiligen Geistes

(hebr.: die (!!) ruach, die Geisteskraft). Fragen wir uns zuerst: Welche religiöse Bedeutung hatte Pfingsten für die Jünger*innen? Sie waren tief beeindruckt von Jesu Worten und Handeln im Namen Gottes: Er konzentrierte sich auf die Umsetzung des Gebotes der Nächstenliebe: Er half den Armen, den Fremden, den Ausgestoßenen, er hatte Tischgemeinschaft mit den Zöllnern. Dieser ihr Meister und Lehrer stirbt, unschuldig und elendig am Kreuz. Entsetzen macht sich unter seinen Anhänger*innen breit. Sie bekommen Angst um ihr Leben, verleugnen ihn, fliehen und verstecken sich. Auch die

(symbolischen) Berichte der Frauen vom leeren Grab lösen zuerst bei ihnen nur Entsetzen aus (Mk 16,8), und im Lk-Evangelium bezeichnen die Jünger*innen ihren Bericht als „Geschwätz“ (Lk 24,11). Durch „Erscheinungen Jesu“ und durch die Erkenntnis, dass es so kommen musste, wird ihnen klar, dass Gott Jesus auch in seinem Tod nicht verlassen hat. Die Sache Jesu sollen sie fortsetzen. Sie sollen im Sinne Jesu handeln, sie stehen auf („Auferstehung“). Doch sie bleiben weiter unter sich, in Jerusalem versammelt. Der Verfasser der Apostelgeschichte erzählt, dass dann 50 Tage später durch die Ausgießung des Geistes die Wende eintritt. Gesichert ist, dass die Jünger*innen auf einmal ihre Zurückgezogenheit aufgeben: Sie erzählen mutig, auch unter Lebensgefahr, offen und zu allen in Jerusalem und später in anderen Städten und Ländern von der Sache Jesu, von seinen Taten und seiner Lehre im Namen Gottes. Sie betreiben „Mission“, besonders Paulus auf seinen Reisen. Sie gründen eine erste Gemeinde (Apg. 2,37ff) und verkünden die Liebe Gottes zu allen Menschen und die Vergebung der Sünden. Sie gründen zur Hilfe für die Armen eine urkommunistische Gütergemeinschaft (Apg. 2,45; 4,32-37)! In der jüdischen Tradition wird berichtet, dass Gott als Strafe für den hybriden Turmbau zu Babel die Sprache verwirrt, so dass „keiner des anderen Sprache“ versteht (1. Mose 11,7) und die Menschen in die Länder verstreut werden (1. Mose 11,8). Durch das Wirken des Geistes wird es jetzt möglich, dass die Menschen sich wieder verstehen und zueinander kommen (vgl. Apg. 2,6ff). Die biblische Pfingstgeschichte ist kein historischer Bericht, sondern zeigt die Glaubensgewissheit des Verfassers: Gott hat Jesus und seine Anhänger*innen nicht verlassen, er ist in Leid und Tod verborgen und will, dass die Taten und Worte Jesu weitergegeben und allen Menschen ohne Unterschied

verkündigt werden sollen. Das ist die befreiende und ermunternde Botschaft durch das Wirken des Heiligen Geistes auch für uns heute. Auch wenn wir zweifeln oder gar verzweifeln, können wir gewiss sein, dass Gott uns befreit und befähigt, im Sinne Jesu mutig gegen Ausbeutung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen auch anderer Religionen oder Kulturen aufzustehen. Auch dies wird geschehen nicht durch Heere oder Gewalt, sondern durch den Geist Gottes (siehe oben den Vers des Propheten Sacharja 4,6 um 520 v.Z.). Dann werden Schwerter zu Pflugscharen! Das ist gewisslich wahr.

 

Dann lasst uns so Pfingsten feiern! 

 

Harald Iber