Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG August - September 2017)


Nichts bleibt, wie es war

So vergeht Jahr um Jahr, und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war!

 

Mit diesen Zeilen endet der Refrain eines Liedes, welches ich von Hannes Wader 1972 erstmals hörte. Damals war er 30 Jahre alt, ich erst zwanzig, aber auch ich hatte schon begriffen, dass nichts bleibt, wie es war. Ich hatte bereits einige Veränderungen hinter mir, meine Kindheit und meine Jugend und wurde nun langsam erwachsen. 45 Jahre später kommt mir ein irischer Geburtstagswunsch in den Sinn, der mir sehr anschaulich verdeutlicht, welchen Veränderungen wir in unserem Leben unterliegen. Er lautete:

„Ich wünsche Dir die zärtliche Ungeduld des Frühlings, das milde Wachstum des Sommers, die stille Reife des Herbstes und die Weisheit des erhabenen Winters.“ In der Natur können wir den Wandel der

Jahreszeiten jedes Jahr erleben und dabei den Eindruck gewinnen, dass dieser Wandel stets der gleiche ist und sich Jahr um Jahr nichts verändert. Die Meteorologen bestätigen mir jedoch meinen subjektiven Eindruck, dass nicht ein Frühling, nicht ein Herbst wie der andere ist. 

Als Mensch habe ich zudem die Möglichkeit die Unterschiedlichkeiten der Jahreszeiten, wie sie der irische Glückwunsch beschreibt, jederzeit in mir zu mischen. So kann ich an einem warmen Frühlingstag erhabene Weisheit ausstrahlen lassen und im Herbst mit zärtlicher Ungeduld das Erntedankfest 

erwarten. Täglich kann ich mich auch auf Anderes einlassen und dabei geht es nicht nur darum, wie in dem Lied von Hannes Wader, räumlich heute hier und morgen dort zu sein, sondern auch um meine geistige und geistliche Beweglichkeit und auch hier um meinen Mut zu Veränderungen. So hat auch Klaus Peter Hertzsch, wenn er uns dazu ermuntert neuen Wegen zu vertrauen, zwar wörtlich nur darauf hingewiesen, dass Leben heißt, sich zu bewegen und zu wandern, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass auch er dies nicht nur räumlich gemeint hat. In der Nachfolge von Martin Luther sollte sich daher auch Kirche dessen bewusst sein, einem ständigen Veränderungsprozess zu unterliegen. Dies kann aber nur geschehen, wenn auch jeder von uns an jedem Tag seines Lebens auch einmal über Veränderungen

in seinem eigenen Leben, seinem Handeln und Denken nachdenkt. Dies könnte dann nicht nur das eigene Leben, sondern auch die Gemeinschaft verändern, in der wir leben oder sogar die ganze Welt.

Ich wünsche mit dabei jedoch nur Veränderungen, die einen positiven Einfluss zur Folge haben, denn die mit negativem Einfluss kommen schon schneller als gewünscht, ganz ohne unser Zutun.

Vorbild in diesem Sinne könnten für uns die Worte eines nicht unbedeutenden alten Mannes aus Hessen sein, der zu einem seiner runden Geburtstage in Weimar gesagt haben soll: „Ei, bin ich denn darum 80 Jahre geworden, dass ich immer dasselbe denken soll? Ich strebe vielmehr an täglich etwas Anderes, Neues zu denken, um nicht langweilig zu werden. Man muss sich immer fort verändern, erneuern, verjüngen, um nicht zu verstocken.“ (Johann Wolfgang von Goethe, 1749- 1832) Lassen wir uns also durch ihn dazu ermutigen nicht zu Langweilern und Verstockten zu werden, sondern vertrauen wir im Handeln

und Denken einfach auch einmal neuen Wegenund wenn es nur zur Probe ist. Ich wünsche Ihnen allen hierbei viel Spaß und Gottes Segen und mache auch gern mit, schon weil ich selbst 80 Jahre alt werden möchte.

 

Es grüßt Sie

Ihr Prädikant Norbert Busse