Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG Februar/ März 2018)


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Gedanken zum Mitnehmen

 

Mut zu haben ist nicht selbstverständlich. JedeR kennt Situationen, in denen man allen Mut zusammennehmen muss. Damit mir eine Sache gelingt, brauche ich die Zuversicht, dass es auch klappen wird. Wenn ich am guten Ausgang meines Vorhabens zweifele, wird es schwierig (auch nur anzufangen). Persönliche Erfahrungen spielen dabei oft eine große Rolle. In welchen Momenten bin ich von mir oder anderen enttäuscht gewesen? Wo ist mir schon einmal etwas gelungen? Daran lässt sich anknüpfen. Außerdem können Vorbilder helfen und Orientierung geben. Sie zeigen, dass das

Engagement einzelner eine große Wirkung entfalten kann. 

Als ich das erste Mal von Fritz Bauer erfahren habe, war ich ziemlich beeindruckt über seinen Mut. Der frühere hessische Oberstaatsanwalt kam aus einer jüdischen Familie in Süddeutschland. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er im besetzten Dänemark im KZ inhaftiert und konnte später nach Schweden fliehen. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück und machte sich um die Strafverfolgung der an den Verbrechen an den europäischen Juden beteiligten Nationalsozialisten verdient. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass – entgegen dem Zeitgeist in den 50er und 60er Jahren in Westdeutschland – kein Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gesetzt wurde. Er brachte maßgeblich die Auschwitz-Prozesse gegen zahlreiche NS-Verbrecher ins Rollen, die auch nach seinem Tod im Jahr 1968 weiter fortgesetzt wurden. „Der praktisch tätige Mensch hält es mit dem Prinzip Hoffnung, mag er auch selbstkritisch sich mitunter des Gefühls nicht erwehren können, es könnte eine Lebenslüge sein“, schrieb er einmal. Trotzdem sah er darin die Möglichkeit, die Unmenschlichkeit zu überwinden. Dass einzelne Menschen viel bewirken können, zeigt auch das Beispiel der 15-jährigen Emilia, einer Schülerin aus Dresden. Immer wieder wurde sie im Klassenchat mit antisemitischen Nachrichten ihrer Mitschüler konfrontiert. Sie hat erst Angst gehabt zu handeln und allein dazustehen. Bis es irgendwann reichte und sie Anzeige erstattet hat. Zuletzt erhielt sie für ihren Mut den Preis für Zivilcourage. 

 

Mut entsteht im Tun. Ohne dass ich schon vorher weiß, wie es ausgeht. „Dazu braucht es nur Vertrauen in das, was uns Menschen auszeichnet: die Begabung zum Anfangen. Wir können hinausgehen und etwas unterbrechen. Wir können neu geboren werden, indem wir uns einschalten in die Welt.“ (Carolin Emcke)

 

 

Ihr Pfarrer Alexander Pabst