Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG Oktober/ November 2020)


Ein Kind wird geboren.

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Wie wird Weihnachten in diesem Jahr? Diese Frage stellen sich viele angesichts der pandemischen

Situation. Werde ich meine Familie besuchen können? Wird es am Heiligenabend noch mehr Einsamkeit geben? Kann ich mir Weihnachten überhaupt leisten?

 

Schon seit Ende Oktober wissen wir, dass der

1. Advent ohne entsprechende Feierlichkeiten wie Basare oder Märkte begangen werden muss. Auch die weitere Adventszeit wird in diesem Jahr wesentlich ruhiger sein, ohne Geselligkeit, Glühwein und Gebäck. Ein ungewohnter Zustand. Zumal, wenn unsere bisherige Erfahrung mit der der Schriftstellerin

Zsuzsa Bánk übereinstimmt: „Stille und Advent gehen überhaupt nicht zusammen. Stille und Advent sind als Widerspruch in sich angelegt…“ Ob die frühere Sehnsucht der Autorin nach ein paar Minuten Stille am Abend heute immer noch genauso groß ist? Sicher wird es die einen geben, die die Hektik in der Adventszeit gar nicht vermissen. Eine außerplanmäßige und willkommene Rückkehr zur Adventszeit, die ursprünglich eine Fastenzeit in Vorbereitung auf das Weihnachtsfest bedeutete. Für andere ist das Ausbleiben vieler Ereignisse wie Feiern, Konzerte oder Märkte eine (kulturelle) Verarmung. Hinzukommen die sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen, die damit einhergehen.

 

Wie wird Weihnachten angesichts der aktuellen Lage? So viel mag ich sagen: es findet statt! Die Botschaft von Weihnachten geht um die Welt. Ein Kind wird geboren. So wie es jeden Tag auf der Erde passiert. Gott hat sich eines dieser Babys ausgesucht, um sich uns zu zeigen und verständlich zu machen: „Ich bin einer von euch Menschen. Verletzlich und angewiesen auf Liebe und Fürsorge.“ Ein Retter, der sich den Erfahrungen von Leid und Elend aussetzt. Hirten sind die ersten, die es mitbekommen. Ein

unscheinbarer, nächtlicher Machtwechsel als Gegenentwurf zum launigen Spiel der Mächtigen und Herrschenden dieser Welt. Verbunden mit der Botschaft der Engel: „Ihr braucht euch nicht zu fürchten!“

Diese Botschaft wird nun hineingesprochen in unsere Tage, die für viele Menschen von Ungewissheit geprägt sind. Da geht es um konkrete materielle Fragen, die Sorge um die eigene Gesundheit oder naher Verwandter, um die Lebenschancen zukünftiger Generationen, um tiefe Gräben in der Gesellschaft. Dies alles lässt sich nicht einfach ausblenden. Gerade deshalb freue ich mich umso mehr auf Weihnachten: es wirft ein Licht auf die schlecht ausgeleuchteten Ecken, rück die in den Fokus, denen Gottes Aufmerksamkeit gilt. Und es lässt uns klarer sehen. Auf die vielen Lichtpunkte, die Hoffnung verbreiten. Da waren und sind Zeichen gegenseitiger Unterstützung, des Respekts und der Anteilnahme sichtbar geworden. Was ich mir wünsche, ist, dass sich unser Blick weitet und sowohl die Nachbar*innen vor Ort als auch die in unserem großen weltumspannenden Haus einbezieht.

 

Mit den besten Wünschen für ein segensreiches Weihnachtsfest!

Ihr Pfarrer Alexander Pabst