Gedanken zum Mitnehmen (aus: GemeindeZEITUNG April2020/ Mai 2020)


Zuversicht

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Die evangelische Kirche in Deutschland hat uns mit einem hoffnungsvollen Motto durch die sieben Wochen der Fastenzeit begleitet. Zuversicht. Darin leuchtet Ostern auf.

 

 

Keineswegs soll mit dem Aufruf zur Zuversicht einem unreflektierten Optimismus das Wort geredet werden. Die biblischen Texte, die jeweils in den einzelnen Wochen im Fokus stehen, machen auch auf die schreckliche Seite der Wirklichkeit aufmerksam. Das Erleben von Leid wird nicht umgangen oder mit billigen Floskeln übertüncht. In der Klage Hiobs wird das ganze Elend sichtbar: „Aber wird man nicht die Hand ausstrecken unter Trümmern und nicht schreien in der Not? Weinte ich nicht über den, der eine schwere Zeit hat, grämte sich meine Seele nicht über den Armen? Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis.“ (Hiob 30,24ff) Der Weg Hiobs heraus aus dieser Finsternis ist lang und
von vielen Auseinandersetzungen geprägt. Trotz allem bleibt Hiob ein Hoffender.
Eine zuversichtliche Haltung zu haben oder zu entwickeln, fällt nicht jedem Menschen einfach in den Schoß. Dafür braucht es einerseits Vertrauen. Andererseits ist es oft mit Mut und Anstrengung verbunden. Von Äsop sind viele Fabeln überliefert. Eine handelt von drei Fröschen, die in einen Topf mit Sahne gefallen sind. Nun fragen sie sich jeweils, wie sie da wieder herauskommen sollen. Der Pessimist unter ihnen lässt es gleich bleiben: „Wir sind verloren! Es gibt keine Rettung.“, meint er. Der Optimist übt sich in Geduld und gibt die Parole aus: „Keine Sorge! Wir werden schon noch gerettet.“. Mit beiden Fröschen nimmt es ein schlimmes Ende.   Der dritte Frosch ist zuversichtlich und reckt den Kopf in die Höhe. Er denkt sich: „Was hilft´s? Da muss ich wohl strampeln, um nicht unterzugehen.“. Und er strampelt und
strampelt – so lange, bis die Sahne zu Butter geschlagen ist und er ganz einfach herausspringen kann.
Ulrich Schnabel hat ein ganzes Buch über die Zuversicht geschrieben. In der ZEIT hat er es einmal so auf den Punkt gebracht: „Zuversicht heißt also nicht, illusionäre Hoffnungen zu hegen, sondern einen klaren Blick für den Ernst der Lage zu behalten; zugleich heißt Zuversicht aber auch, sich nicht lähmen zu lassen, sondern die Freiräume zu nutzen, die sich auftun – und seien sie noch so klein.“ (DIE ZEIT 47/2018).
Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Freiräume für sich entdecken: ob es um ihr persönliches Leben geht oder um das große Ganze. Mit Zuversicht in die Welt zu gehen, heißt, Ostern im Blick zu haben und dabei das Leid nicht zu verschweigen. Mit Zuversicht gelingt der Sprung ins Leben.

 

Ihr Pfarrer Alexander Pabst